Eine kulinarische Reise im Land der Schneckenfresser und Gourmets

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Donnerstag, 20. August 2015

Die Klassiker: Wein und Senf

Wer an Dijon vorbeireist, wie wir, der kann sich der beiden bekanntesten Produkte der Region nicht entziehen: Wein und Senf. Wenn man von Süden kommt sieht man schon weit vor der Stadt die riesigen Weinberge, die scheinbar bis zum Horizont die gesamte Landschaft überragen. Hier entstehen die berühmten Weine des Burgunds und der Reisende wird alle hundert Meter eingeladen in einen kleinen Weg abzubiegen, um bei einem Weinbauern ein Gläschen zu probieren und ein paar Flaschen mitzunehmen. Wir haben uns darauf beschränkt die wirklich eindrucksvolle Landschaft zu genießen.

Weinberge bei Nuits St Georges

Den Dijon-Senf haben wir uns hingegen etwas genauer angesehen und das Senfgeschäft von Maille, dem größten Produzenten, im Stadtzentrum von Dijon besucht. Hier wird in einem kleinen hübschen Laden der Charme von einst bewahrt.

Die Boutique von Maille in Dijon

Doch die Tradition des "echten" Dijon-Senf ist in den letzten Jahren etwas verloren gegangen: über 80% der Senfkörner kommen aus Kanada und die Fabrik in Dijon hat man inzwischen geschlossen. Der Senf wird nun außerhalb von Dijon hergestellt. Eine Zeit lang gab es sogar überhaupt keine Senffelder mehr im Burgund. Nun arbeiten einige Produzenten daran wenigstens einige Senfpflanzen im Burgund wachsen zu lassen und zu ernten.

Senf aus dem Zapfhahn

So oder so ist das Geschäft einen Besuch wert. Allein die große Auswahl an verschiedenen Senfsorten, die man auch probieren kann, ist eindrucksvoll. Außerdem kann man hier frisch gezapften Senf kaufen, der sich aber leider nicht wirklich für den Transport eignet. Daher begleiten uns nur ein paar Gläser auf unserem weiteren Weg in Richtung Westen...

Julia ist fasziniert vom Senf-Angebot

Montag, 17. August 2015

Die grüne Fee

Der zweite Tag unserer Reise führte uns in die Höhen des Juras nach Pontarlier, das als französische Hochburg der Absinth-Produktion gilt. Oder sollte man besser sagen: galt? Fast einhundert Jahre war Absinth in Frankreich nämlich verboten. Wir wollten uns die scheinbar so gefährliche Grüne Fee aus der Nähe ansehen und besuchten die Distillerie "Les Fils d'Emile Pernot".

Die Distillerie "Les Fils d'Emile Pernot" in Pontarlier.

Im kleinen Geschäft der Distillerie spielt man zwar ein wenig mit dem einstigen Verbot und stellt mehrere alte Propagandaplakate der Absinth-Gegner aus, doch sonst sieht es hier aus, wie in jedem anderen kleinen Spirituosengeschäft. Und auch bei der Führung wird die angeblich halluzinogene und gesundheitsgefährdende Wirkung der "Grünen Fee" nicht bestätigt. Der Absinth, so wird erklärt, wurde einfach zum Ende des 19. Jahrhunderts ein Opfer seines Erfolgs: Die Weinbauern gingen eine Allianz mit den Befürwortern der Prohibition ein, um der Konkurrenz durch den Absinth ein Ende zu bereiten. So kam es zum Verbot der beliebten Spirituose, die auch viele Prominente, wie Oscar Wilde und Vincent Van Gogh schätzten.

"L'Absinthe c'est la mort!" - so warnte ein Plakat um 1900.
 Die Distillerie Pernot ließ sich davon nicht beeindrucken und produzierte einfach andere Kräuter-Spirituosen und Liköre ohne die verbotene Pflanze. Und das tut man in dem kleinen Familienbetrieb mit 5 Angestellten bis heute noch. Seit einigen Jahren darf es auch wieder der klasssische Absinth mit 55 bis 68 % Alkohol sein.

Im kleinen Fabrikladen kann man die gesamte Bandbreite der Liköre bestaunen. Und auch kosten - aber natürlich: avec modération!

Die Produktionsanlage ist überschaubar und klassisch, hier ist noch vieles Handarbeit, auch die Flaschen werden noch von Hand abgefüllt. Man wird kostenlos durch die Distillerie geführt und der Chef nimmt sich auch gerne Zeit allen Besuchern seinen Betrieb zu erklären, Zutaten zu zeigen und alle Fragen zu beantworten.

Nur einen großen Raum umfasst die Distillerie Pernot, die ihre Liköre dennoch in die ganze Welt exportiert.
So erfährt man zum Beispiel, dass Absinth auch viel nach Deutschland exportiert wird und dort - den Steuern sei dank - sogar preiswerter ist als in Frankreich! Nach der Führung durfte jeder Besucher die Spirituosen kostenlos bei einer Degustation probieren. Und wir entschieden uns für zwei Flaschen Absinth und Vieux Pontarlier. Santé!



Distillerie Les Fils d’Emile Pernot
18-20 Le Frambourg
25300 La Cluse et Mijoux
http://www.emilepernot.fr

Donnerstag, 16. Juli 2015

Planung II : Burgund


Nach der Franche-Comté werden wir das benachbarte Burgund auf unserem Weg durch die französische Kulinaria durchfahren.

Dabei werden wir uns zunächst den berüchtigten "escargots de Bourgogne", den Weinbergschnecken, widmen. In Deutschland sind die kleinen, schleimigen Tierchen vor allem als Schrecken der Hobbygärtner bekannt und werden in einem erbitterten Kampf möglichst von den eigenen Salatbeeten ferngehalten. In Frankreich hingegen sind sie insbesondere zu Weihnachten eine beliebte Delikatesse, die man als Vorspeise mit Kräuterbutter genießt. Aber wie kommt die Schnecke eigentlich auf den Teller? Das möchten wir beim Besuch einer Schneckenfarm in der Côte-D'Or herausfinden.

Das Burgund ist natürlich vor allem auch als Weinregion bekannt und weltweit renommiert. Doch neben den Trauben gibt es eine andere dunkelrote Frucht, für die die Region berühmt ist: die Johannisbeere oder Cassis. Aus ihr wird traditionell ein Likör zubereitet, den man auch im Mischgetränk "Kir" wiederfindet. Dabei wird der Cassis-Likör mit Weisswein oder Schaumwein ("Kir Royal") gemischt. Benannt ist das Getränk nach dem ehemaligen Resistance-Kämpfer und Bürgermeister von Dijon Félix Kir, der sein Lieblingsgetränk bei zahlreichen offiziellen Anlässen seinen Gästen servierte. Wir möchten einen Reisetag der Johannisbeere widmen, die es im Schatten der omnipräsenten Weintrauben ebenfalls zu einigem Ruhm gebracht hat.

Donnerstag, 25. Juni 2015

Planung I : Die Franche-Comté

In zwei Monaten ist es soweit und wir beginnen unsere kulinarische Reise durch Frankreich. So langsam nimmt auch unser Projekt Konturen an. Die ersten Etappen unserer Fahrt stehen nun fest und werden uns in die Franche-Comté führen.


Dort werden wir uns zunächst dem Absinth und seiner Geschichte widmen. Im Paris der Jahrhundertwende berauschten sich noch keine geringeren als Charles Baudelaire, Arthur Rimbaud oder Oscar Wilde an der „grünen Fee“. Doch den Rausch genossen nicht alle und schon bald wurde Absinth als halluzinogenes Gift verteufelt und schließlich 1915 verboten. Fast 100 Jahre durfte man in Frankreich nicht mehr am grünen Likör nippen. Seit 2011 darf nun wieder Absinth gebrannt werden. Wir werden eine Brennerei bei Pontarlier besuchen, um uns dieses faszinierende Getränk etwas näher anzuschauen…

In Frankreich hingegen schon immer ein großer Stolz und in manch anderem Land skeptisch beäugt, ist der Rohmilchkäse. Schon das eine oder andere Mal wurde in Europa heftig diskutiert, ob der Käse aus unbehandelter Milch, wie ihn die Franzosen so gerne mögen, ein Gesundheitsrisiko sei. Eine der beliebtesten Rohmilchkäsesorten ist der Comté, den man im französischen Jura produziert. In Poligny werden wir uns ansehen, wo dieser berühmte Käse, der inzwischen auch den Weg in die deutschen Supermärkte gefunden hat, herkommt.